Appell der Präsidentin

Oktober 2, 2025

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach dem Deutschen Apothekertag hatten wir zunächst überlegt, auch als Kammer eine formale Stellungnahme zum Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums zur Apothekenreform abzugeben. Doch die sachlichen und fachlichen Argumente lagen bereits am nächsten Tag auf dem Tisch.

Darum wende ich mich heute ganz persönlich an Sie. Nicht mit dem Hut der Kammerpräsidentin, nicht als ABDA-Vizepräsidentin, nicht als Inhaberin oder Kollegin – sondern als Mensch: Ich bin enttäuscht. Und ich bin frustriert. Seit Jahren kämpfen wir alle für die Zukunft unseres Berufsstandes – ringen um Anerkennung, wirtschaftliche Stabilität und darum, dass unsere Rolle als Heilberuf endlich gesehen, genutzt und weiterentwickelt wird.

Umso schwerer wiegt die Nachricht, dass die dringend notwendige Anpassung des Fixums erneut aufgeschoben wurde. „Nicht einmal die 9,50 Euro“ – das hat viele von uns sprachlos zurückgelassen. Auch mich.

Und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen: Aufgeben ist keine Option. Unsere Mühen waren nicht umsonst. Wir haben Patientinnen und Patienten sensibilisiert, Wählerinnen und Wähler erreicht, Türen geöffnet und Aufmerksamkeit gewonnen. Dass heute überhaupt von erweiterten pharmazeutischen Befugnissen die Rede ist – vom Impfen bis hin zu neuen Abgaberegeln – zeigt, dass wir gehört werden.

Ja, es gibt Fehlentwicklungen im Eckpunktepapier. Aber wir haben jetzt die Chance, in der politischen Folgenabschätzung mitzuwirken und Klarheit zu schaffen. Und wir dürfen beim Fixum nicht lockerlassen – denn ohne wirtschaftliche Stabilität sind alle Zukunftspläne Makulatur.

Deshalb mein Appell an Sie: Lassen Sie uns unsere Enttäuschung in Energie umwandeln. Kämpfen wir weiter – selbstbewusst, geschlossen, entschlossen. Zeigen wir unseren Patientinnen und Patienten, dass wir mehr sind als die Abgabestellen für die Arzneimittelversorgung. Machen wir unseren ärztlichen Kolleginnen und Kollegen deutlich, dass echte Arzneimitteltherapiesicherheit pharmazeutische Kompetenz braucht. Sprechen wir mit Abgeordneten, Multiplikatoren und in unserem persönlichen Umfeld über die Folgen einer Welt ohne „Apotheke vor Ort“.

Ich verspreche Ihnen: Ich werde nicht still sein. Ich werde weiter an der Sichtbarkeit und Wichtigkeit unserer Versorgungsrolle arbeiten, dicke Bretter bohren und meine Stimme erheben. Und ich brauche Sie an meiner Seite. Gemeinsam, mit langem Atem und klarem Ziel, können wir erreichen, was unser Berufsstand verdient: Anerkennung, Verlässlichkeit und eine sichere Zukunft. Und wenn Sie der Mut und die Kraft mal verlässt, kommen Sie und schöpfen Sie neue Stärke aus dem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen.

Ihre

Ina Lucas

P.S.: Es wird in Kürze auch eine offizielle Argumentationshilfe von der ABDA für die Mitglieder und Mitgliedsorganisationen geben. Wir stellen Ihnen diese sehr gern zur Verfügung, sobald sie veröffentlichungsreif ist.

P.P.S.: Lesen Sie auch regelmäßig unser KAMMER AKTUELL. Auch hier informieren wir stets aktuell über Aktionen und geplante Maßnahmen.

www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Pressetermine/2025/Pk_20250409_forsa-Umfrage/Positionspapier_In_eine_gesunde_Zukunft_mit_der_Apotheke_2025.pdf