Blackout, Brownout, Burnout?
Januar 5, 2023Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich hoffe, Sie sind alle gut und gesund ins neue Jahr gestartet? Viel Zeit zum Erholen und Abschalten blieb zwischen den Feiertagen ja nicht, obwohl das für alle in den Apothekenteams gerade nach der exorbitanten Belastung durch das Lieferengpass-Management vor und zu den Feiertagen dringend nötig gewesen wäre.
Auch für das neue Jahr kann ich Ihnen nicht versprechen, dass es schnell und deutlich besser wird. Mut, Zuversicht und Resilienz werden neben ebenso eisernen Nerven wie eiserner Gesundheit weiterhin zu den wichtigsten soft Skills des Jahres gehören, denn die Herausforderungen nicht nur hinsichtlich der Arzneimittelknappheit bleiben immens und die zur Verfügung stehenden personellen und materiellen Ressourcen werden nicht größer. In finanzieller Hinsicht hat der Verordnungsgeber ja mit der Erhöhung des Krankenkassenzwangsabschlags sogar noch eine deutliche Verschlechterung für die Apothekenleiter:innen verabschiedet. Alles andere als ideale und motivierende Voraussetzungen für die erfolgreiche Übernahme weiterer Aufgaben.
Ich kann Ihnen daher nur versprechen, dass wir seitens der Apothekerkammer Berlin versuchen, Sie bei den erfreulichen und auch weniger erfreulichen Aufgaben, die auf uns alle zukommen, bestmöglich zu unterstützen. Zu letzteren gehört wahrscheinlich die gedankliche und soweit irgend möglich auch inhaltliche Vorbereitung auf einen möglichen stunden- oder sogar tageweisen Stromausfall. Denn auch, wenn wir in diesem Winter bisher „dank“ der insgesamt eher hohen Temperaturen von einer Energieverknappung verschont worden sind, bleibt die Gefahr einer beabsichtigen Energieeinschränkung ebenso real wie die Gefahr einer unerwarteten und akzidentellen Stromabschaltung, wie nicht nur Kolleg:innen aus Köpenick und Lichtenberg im letzten Jahr leidvoll erfahren mussten.
Mit den Empfehlungen des DAVs zum Blackout liegt nun ein Maßnahmenkatalog zur Vorbereitung auf einen Stromausfall vor, der nicht nur auf einen Katastrophenfall bezogen ist. Eine Beschäftigung mit seinen Inhalten ist daher gerade vor der zunehmenden Wichtigkeit, die die apothekerlichen Leistungen derzeit im Hinblick auf die Arzneimittelversorgung und auch Herstellung erfahren, unumgänglich. Ebenso unumgänglich übrigens, wie es meiner Ansicht nach dazu einer Unterstützung seitens der Politik bedarf, denn die Absicherung solcher Situationen kann nicht nur allein auf den Apothekenleiter:innen abgeladen werden.
Wenn Politik Apotheken als Teil des Gesundheitswesens und damit auch als Teil der kritischen Infrastruktur ansieht, muss genau die gleiche Politik auch dafür Sorge tragen, dass die Apotheken in die Lage versetzt werden, die dringend notwendigen Maßnahmen für die Vorbereitung auf solche Krisensituationen auch treffen zu können. Dazu gehört nicht nur die ausreichend finanzielle Ausstattung der Betriebe, sondern auch der Zugang zu vorhandenen Notfallnetzen der jeweiligen kritischen Infrastruktur. Im Hinblick auf die Versorgungssicherheit ist diese Diskussion auch eine Aufgabe der Apothekerkammer, der wir gerade jetzt zum Jahresauftakt in unseren regelmäßigen Gesprächen im politischen und fachlichen Umfeld intensiv nachgehen.
Um Handlungsoptionen zur Vorbereitung auf einen Stromausfall möglichst praxisnah für Sie aufzubereiten, haben wir Herrn Thomas Ertner als Mitautor unseres QMH-digital gewinnen können, der Sie in gewohnt pragmatischer Weise in unserer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Berliner Apotheker-Verein durch den Handlungsleitfaden führen wird. Ich möchte Sie daher heute schon zu dieser Veranstaltung im Februar ganz herzlich einladen (Details folgen in Kürze). Ebenso herzlich möchte ich Sie an dieser Stelle auch noch einmal zur Teilnahme an unserer jährlichen Apothekenumfrage einladen, denn Ihre Antworten und Stimmungen sind für uns genauso wichtige Grundlagen für weitere Aktivitäten, auch wenn ich unter praesidentin@akberlin.de auch ganzjährig ein offenes Ohr für Sie habe.
In diesem Sinne hoffe ich auf Ihre rege Beteiligung an der Umfrage und an der Veranstaltung. Bleiben Sie nicht nur bis dahin gesund, munter und zuversichtlich. Möge die Resilienz mit uns sein!
Herzliche Grüße
Ihre
Kerstin Kemmritz