Ukraine-Hilfe: Was können wir jetzt tun, und welche Fragen sind noch in Klärung?
März 10, 2022Die täglichen Nachrichten und Bilder von Putins Angriffskrieg auf die Ukraine erschüttern uns alle zutiefst und haben eine große Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft auch in der Apothekerschaft ausgelöst. Die Kammer erreichen derzeit ebenso viele Vorschläge wie konkrete Fragen zu Sachspenden und medizinischer Hilfe im Kriegsgebiet und hier in Berlin, wo täglich tausende Kriegsflüchtlinge ankommen und versorgt werden müssen. In diesem Kammer aktuell finden Sie erste Antworten und eine Übersicht der Fragen, an deren Klärung wir derzeit mit Hochdruck arbeiten.
Was ist bei Sachspenden (Arzneimittel, Verbandsmaterial etc.) zu beachten?
Die großen Hilfsorganisationen wie Apotheker ohne Grenzen und Deutsches Medikamenten-Hilfswerk action medeor sehen Arzneimittelspenden aus verschiedenen Gründen kritisch und bitten daher um Geldspenden, um bedarfsgerecht geeignete Arzneimittel kaufen und mit erprobter Logistik verteilen zu können. So verständlich der Wunsch von Spenderinnen und Spendern ist, konkrete Hilfsgüter in die Ukraine zu schicken, so ist dies bei Arzneimitteln und medizinischem Material nicht die beste Lösung. Darauf hat auch die Geschäftsführerin von Apotheker ohne Grenzen in einem Telefonat mit der Kammer noch einmal hingewiesen. Geldspenden an Hilfsorganisationen sind in jeder Hinsicht (Einkauf, Logistik, bedarfsgerechte Sendung an den richtigen Ort) effektiver und bewirken mehr als individuelle Arzneimittelspenden.
Wer diese Organisationen finanziell unterstützen möchte, kann das hier tun:
- Apotheker ohne Grenzen: https://www.apotheker-ohne-grenzen.de/
- Deutsches Medikamenten-Hilfswerk action medeor: www.medeor.de/Ukraine
In Berlin gibt es nach Auskunft von Kolleginnen und Kollegen aus Apotheken aber auch viele Netzwerke die – teils privat, teils über den Verein Ukraine-Hilfe Berlin e.V. – gezielte Transporte von Sachspenden in die Ukraine oder Grenzgebiete organisieren. Hier gilt es, sich konkret zu informieren, was benötigt wird, wie es verpackt werden soll und wie und wo die Sammlung und der Transport erfolgen.
Der Verein Ukraine-Hilfe Berlin e. V. stellt z. B. eine Bedarfsliste inklusive Abgabestellen bereit, die kontinuierlich aktualisiert wird und von der Facebook-Seite des Vereins heruntergeladen werden kann: https://www.facebook.com/UkraineHilfeBerlin. Momentan wird an medizinischem Material u.a. Verbandsmaterial (Kompressen und Mullbinden), Handschuhe, Spritzen, Desinfektionsmittel und Hand- und Fuss-Orthesen benötigt. Auf der Liste stehen auch Arzneimittel wie Schmerzmittel, Durchfallmittel, Blutverdünner und Herz- und Blutdruckmedikamente. Hier ist zu beachten, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel nur abgegeben werden dürfen, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verordnet oder bezieht und die Einfuhr in die Ukraine nur unter bestimmten Umständen bei gemeinnützigen Organisationen möglich ist. Kundinnen und Kunden der Apotheke sollte zudem dringend davon abgeraten werden, ihre verordneten Arzneimittel aus „Privatbeständen“ zu spenden, da dies häufig großen Prüf- und Sortieraufwand bedeutet und wenig hilfreich ist. Geldspenden an die o. g. Organisationen sind in diesem Fall deutlich zielführender.
Wir sind zudem derzeit in intensiven Gesprächen, ob und wie Kundinnen und Kunden ggf. durch einen der Apotheke übergebenen Geldbetrag gezielt „Arzneimittelpakete“ zum Transport in die Ukraine oder an die Grenze spenden können. Wir halten Sie dazu via „Kammer aktuell“ auf dem Laufenden.
Können wir pharmazeutische Expertise ehrenamtlich an irgendeiner Stelle in Berlin einbringen?
Zu der Möglichkeit, in Berlin ehrenamtlich pharmazeutische Expertise einzubringen, stehen wir in engem Kontakt zur Berliner Regionalgruppe von Apotheker ohne Grenzen. Nach einer Information vom 08.03.2022 hat deren Notambulanz-Projektpartner Berliner Stadtmission bislang noch keinen (personellen) Bedarf dort angemeldet. Das Ankunftszentrum des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) in Reinickendorf sowie das neu geplante Ankunftszentrum auf dem Flughafen Tegel haben ebenfalls noch keinen Bedarf gemeldet. Sollte sich Bedarf ergeben, werden wir per „Kammer aktuell“ informieren.
Wir danken allen Berliner Apothekenteams herzlich für die große Hilfsbereitschaft! Wenn Sie weitere Fragen oder Anregungen haben, nutzen Sie dafür gerne unser Kontaktformular „Apothekenpraxis“.
AK Berlin, 10.03.2022